Wednesday, 30. May 2007

“Der Tag ist hin…

…mein Jesu, bei mir bleibe.” dichtet Joachim Neander im 17. Jahrhundert. Ein prima Gesangbuchtext mit viel Schutz und Israel und Schwert, Hirte & H?ºter, Schwert & Macht, et cetera. Dieser Demut stiftende Tonfall l?§sst an die desolaten Enden von Mozart-Opern denken und trifft damit voll die Stimmunslage vom Paris der neuen Bundesl?§nder: Leipzig. Was Neander 1680 nach Bauchgef?ºhl als “Welt, Teufel, S?ºnd” beklagt, wei?ü 2007 der Deutsche Wetterdienst mittels einer Grafik, die Sonne und Wolken zugleich zeigt, zeitgen??ssisch angemessen zu illustrieren: 16 Uhr, 15 Grad. Jedweder Romantik werden da die Flausen ausgetrieben; so wie am vergangenen Wochenende, als hunderte okkultistische Grufties (Leipziger Wave-Gotik-Treffen. Spiegel.de: “Man tr?§gt Totenkopf”) das b?ºrgerliche Grosse Concert des Gewandhauses (Chailly dirigierte Verdis Requiem) st?ºrmten und der Vorstellung von Lust an einer Totenmesse eine ungewohnte neue Dimension verliehen. Und hier in der Gustav-Adolf-Stra?üe steht das Haus, in welchem Gustav Mahler seine Erste schrieb, in Bauger?ºst – sowas holt auf den Boden zur?ºck. ?Ñhnlich wie Neander bringt auch Gryphius einmal: “Der schnelle Tag ist hin” – “Wo Thier und V??gel waren/ Trawert itzt die Einsamkeit.” Indeed, der Zaunk??nig ist ja nun f?ºr Heiligendamm abonniert. Au?üerdem doof: Katz & Goldt (“the duo who does what duos should do”) ist bei der ZEIT rausgeflogen, deren Magazin legt auf die Katz & Goldt-Comics keinen Wert mehr. So ein Mist.

Hmm. Naja, dieser Eintrag bleibt nur stehen bis ich wieder einen besseren hab’.

Wednesday, 23. May 2007

Tief im O-osten

Nicht nur, dass ich mit meiner Nordseitenwohnung von ihrer Sonnenlosigkeit profitiere (trotz sommerlichen Klimas ist hier die Temperatur angenehm) – ich bin durch meine Arena-N?§he in der Gustav-Adolf-Stra?üe auch mit derer regen Konzertt?§tigkeit gesegnet. Heute abend gibt es ohrenscheinlich Herbert Gr??nemeyer. Durchs offene Fenster pl?§rrt es: “Bochum, ich komm’ aus di-ir…”. Ich h?§tte gro?üe Lust eine Garage-Aufnahme als Beweis hier online zu stellen, f?ºrchte aber Komplikationen mit Juristen… (22. Mai, 16.39 Uhr)
Nachtrag: wie ein Blick auf die Internetseite der Arena kl?§rt, handelte es sich gestern Nachmittag wohl um eine Probe – die Konzerte finden statt am 24. und 25.! (Tatsache jedenfalls: es war wirklich Herbert, wo ich h??rte!)

Friday, 18. May 2007

Hoc est verum bellum

Ein Unding: Motten quartieren sich in meiner Wohnung ein. Man sagt, Motten seien nicht weiter gef?§hrlich (und ihnen sei auch in der Masse keine solche -Vernichtungswaffe), sie schadeten h??chstens der Wohngem?ºtlichkeit. I am not convinced. Mit Nexalotte gedenke ich den Ungeheuern den Garaus zu machen. Gerade heimgekommen schwirrte mir das erste Exemplar bereits entgegen. Ein Konflikt: gerne h?§tte ich gewusst, ob die Klebefalle funktioniert. Aber nun war der Feind zum Greifen allzu nah, so lie?ü ich die Falle Falle sein, z??gerte nicht, griff nach dem Staubsauger und machte dem Insekt noch auf dem Flur instrumentaliter den Kasparow! Klebefalle im Zimmer drapiert und Kaffee frisch gebr?ºht mochte ich meinen Augen kaum trauen – es surrte schon das zweite Tier durchs Zimmer. Innerlich erhitzt gab ich mich aber in diesem Augenblick ?§u?üerlich unauff?§llig, rieb mir hinterh?§ltiger Gef?ºhle die H?§nde, …und lasse jetzt, w?§hrend ich hier im Nebenzimmer meine commentarii beginne, die Motte ins offene Messer fliegen.

Tuesday, 15. May 2007

Unerw?ºnschte Druckerzeugnisse

Zwei ?§u?üerst skurrile Journaillen an nur einem Dienstag – das scheint mir eine knappe Besprechung wert! Aber nur knapp – der Abend ist sp?§t; allein, auslassen mag ich die beiden Bl?§tter nicht. Zun?§chst in der K?ºrze ein Klassiker: der legend?§re “Wachtturm” (“…verk?ºndigt Jehovas K??nigreich”) – lag heute in unserem Treppenhaus. Auf der Titelseite eine rollgekragte junge Frau, lesend, daneben der aktuelle Ausgabentitel: “Echte Freude durch die Bibel”. (Empfehlenswerte Passage: S. 10, “Die Wunder Elisas”, z.B.: “11. Gehasi wird mit Naamans Aussatz geschlagen”, oder: “16. Ein Toter lebt wieder”.) Tenor: “Nimm dich vor Satans ‘listigen Handlungen’ in Acht”! Nicht weniger skurril dieses: heute gab es in Leipzigs Interimskantine in der Katherinenstra?üe (gegen?ºber dem Museum f?ºr Bildende K?ºnste) zur Mensakost einen Papierbeutel, gef?ºllt mit allerlei nutzlosem Werbekrams. Darin: “Uniking” – “das Unicum-Magazin f?ºr gro?üe Jungs” (Papierbeutel wurden geschlechtssortiert ausgegeben). Statt “King” gibt es also auch “Queen” (Titelthema: “Was zieh’ ich an?”). Ist Sexismus wieder so in? Auf jeden Fall ist er bunt und hoch gl?§nzend. Geschlechterrollen scheinen absolut im Kommen, bei “Uniking” geht’s um eine heteronormative. Die Kerle sind unrasiert, die wenigen abgebildeten Frauen billig. Titelthema: “Gib Feuer, Junge! Uniking zeigt dir, wie du richtig grillst”. Die Zeitschrift bezeichnet sich als “spendables Angebot an Spa?ü und Hintersinn, allein f?ºr euch, die gro?üen Jungs an der Uni”. Seite 4 er??ffnet mit einem Studienfachranking: wieviele Frauen kommen auf einen Mann? (Oder, wie Uniking das nennt: “Verh?§ltnis M?§nnlein/Weiblein”. Es siegt: “Prim?§rp?§dagogik – 6,48 M?§dels auf einen Jungen” – “Viel Spa?ü!”.) Augenscheinlich ist das also die Sparte “Spa?ü”. Wozu geh??rt dann dieses? – Autor Oliver Haastert baggert, eindrucksvoll bebildert, in der Eifel mit gro?üem Ger?§t im Dreck. Das ist dann wohl “Hintersinn”? Bleibt offen, wie die Artikel: “Fest gebunden – Crash-Kurs Krawatte” (S. 28) und der Manierenratgeber: “‘Benimm dich, Junge!’ – Renaissance der Regeln” (S. 24) einzuordnen sind. …Oder: wie die Zielgruppe einzuordnen sei. Irgendwie spie?üig und fraglos machistisch, o tempora. Das Heft war kostenlos – und in der Papiert?ºte fanden sich noch ein Probebeutel Instantcappuccino und ein Billy Boy-Kondom. Als Ausgleich akzeptiert!

Sunday, 6. May 2007

Good morning, Leipzig!

Es fr?ºhsommert noch kr?§ftig in Sachsens Hauptstadt der Herzen. Auch hier in meinem bescheidenen K?§mmerlein an der Arena konnte sich ein Maien-haftes Gef?ºhl von Bl?ºte und Leben verbreiten, nutzte ich doch meinen siebten Tag der Woche zum Umtopfen der Zimmerpflanzen. Vor allem ein Palmengew?§chs gleich hier hinterm Abendbrottisch (‚ÄûNahpalm‚Äú sozusagen, haha) macht nun in seinem gro?ü dimensionierten neuen Terracottak?ºbel einen ganz und gar propperen Eindruck. Beim Umtopfen geh??rt die frische Erde (0,59 Euro f?ºr 10 Liter ‚Äì da konnte ich nicht Nein sagen) kr?§ftig angedr?ºckt und gro?üz?ºgig gegossen. Wenn es nach getaner Arbeit nach tropischem Feuchtgebiet riecht, die Abendsonne die urwaldigen Bl?§tter stimmungsvoll beleuchtet, da kann einem die zweite Flasche Wein durchaus glauben machen, der Vietcong lauere im Blumentopf. Dabei denke ich an den Vietcong, wie ich ihn aus Film und Fernsehen kenne, vor allem aus US-Film und ‚ÄìFernsehen. So, wie das Europa-Bild aus EU-Film und -Fernsehen, also ‚ÄûL‚Äôauberge espagnole‚Äú. (Bei dem Film musste ich wegen der kuriosen Schlaubergereien und V??lkerfreundschaftsromantizismen an das DDR-‚ÄûVolksliederbuch f?ºr gemischten Chor‚Äú denken, Band I, politische Lieder.) Aber nun gem?ºtlich zu Ende Abendbrot gegessen, I like the smell of Schafsk?§se in the evening.

Saturday, 5. May 2007

“Ja, mehr brauch’ ich nicht zum gl?ºcklich sein”

Der selige Thomaskantor Sethus Calvisius kannte den Gregorianischen Kalender gut, das bezeugt sein 1612 ver??ffentlichter Elenchus Calendarii Gregoriani – wenngleich Calvisius als moderner Chronologe und Protestant von der Setzung Papst Gregors XIII. nicht viel hielt. Bekannt seit den R??mern war jedenfalls der Maius, zun?§chst als dritter, dann als f?ºnfter Monat des Jahres, benannt nach Jupiter und Maia (Gott & G??ttin – sagt Wikipedia…). Und Mai haben wir jetzt auch (Mann, Mann, komplizierte Einleitung), und er erwies sich in seinen ersten f?ºnf Tagen als begr?º?üenswert – zumindest hier in Leipzig gibt es Wochend’ und Sonnenschein. Hei?ü her ging es in der Stadt auch am 1. Mai, als politische Enthusiasten durch Leipzigs Stra?üen zogen und traditionell-manieristisch Freiheit einforderten. Hier ist schon was los!…

Schnell wieder in den Park!… Noch ein kurzer Clip der weichenden Universit?§t am Augustusplatz hinten an. Nicht ganz frische Bilder, daf?ºr an dieser Stelle urgesendet.