Freitag, 30. Juni 2006

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!!

Oder wo sonst auch immer das Halbfinale stattfinden mag. Ja, ein aufregendes Elfmeterschießen führte die Deutschen in die nächste Runde, jetzt sind wir wieder wer! Hier in Bad Harzburg beim “Public Viewing” der SPD gab’s zwischen Polizeipferden in ausrangierten Zirkuszelten gute Stimmung satt! Es könnte auch niemand behaupten, Schwarz-Rot-Gold sei hier kein tief empfundener Ausdruck, sondern nur Teil einer oberflächlichen “Riesenparty”, nein, hier erhielt die argentinische Nationalhymne noch ordentlich Buh-Rufe und Mittelfinger. Yeah, Zeit, dass sich was dreht!

Ich reiche für die schwedischen Mitleser noch einen klingenden Gruß nach, in diesem Sinne!

Tschüss Schweden

Mittwoch, 28. Juni 2006

“No està permès fumar”

So sagt man hier auf Mallorca, wenn irgendwo das Rauchen verboten ist. Ja, endlich ist mein Blog auch wirklich ein Blog, wie es sein muss: das Sinnlose und Uninteressante nimmt Ueberhand. Ich schreibe gerade nur, um zum allerletzten Mal von den Balearen einen Eintrag vorzunehmen. Und ich schliesse mit Worten von Elfriede Jelinek, die meine steten Begleiter dieser Tage waren:

Was bringt das? Sprechen ist wie auf einer kleinen Insel auf und ab gehen. Bald ist es wieder aus, weil man gemerkt hat, dass man durch Sprechen nirgendwohin kommen kann. So greift halt die Technik immer haeufiger ins Leben ein, das haben wir ihr nicht beigebracht, dass es dauernd klingelt, als Signal fuer ein gutes Gespraech, das wir diesmal mehr schaetzen, weil es was kostet, und zwar greift die Technik ein in Form von Elise oder Mozarts g-moll-Symphonie, ja, die habe ich ebenfalls selbst gehoert.

In diesem Sinne!

Montag, 26. Juni 2006

Ora et ballora

Inmitten unzaehliger, in der weitlaeufigen Landschaft verteilter, mallorquinischer Kloester, und nur einen kurzen Fussweg von der katholischen Kathedrale der Hauptstadt Palmas entfernt entstand just gestern dieses Foto. Zu sehen: S’Arenal, oder auf Spanisch: El Arenal. An dieser Stadt Strandpromenade findet man die beruehmten Balnearios eins bis fuenfzehn. Dazwischen liegen Balneario 6, also “Ballermann 6″, sowie Kneipen, Clubs und Restaurants namens “Oberbayern”, “Wuerstelkoenig” und “Schinkenstrasse”. Bier und Sangria fliessen vormittags noch in uebersichtlichen Mengen; aber ich nehme an, einen ausreichenden Eindruck gewonnen haben zu koennen.

Der Neue Deutsche Patriotismus, der auf deutschem Festland offenbar noch grosser Diskussion bedarf, ist hier laengst Normalitaet. Die “Riesenparty” bedurfte sicher auch nicht erst der WM – hier auf Mallorca scheint man immer schon ein kleines bisschen weiter…

Montag, 19. Juni 2006

Hola!

Ein lauschiges Plaetzchen, dieses Mallorca. Manche Teile der Insel weisen einen deutschen Bevoelkerungsanteil von bis zu 13,5% auf. Wer in den City-Cafés Palmas nicht Deutsch sprich, spricht Schwedisch. Deutsche Aerzte und Buchhandlungen, zwei deutsche Zeitungen. Und selbst in diesem Internetcafé bin ich in bester bis prominenter Gesellschaft: Udo Walz, Coiffeur, wirkt um die Ecke, direkt neben ihm ein Blumenhaendler aus Wernigerode. Zu Gast bei Deutschen… :-)

Mittwoch, 14. Juni 2006

Das ewige Licht leuchtet ihnen

Seit gestern bin ich aus Kuopio zurück, aus Finnland, dem Land des ständigen Tageslichts. Es war eine etwas mühsame Reise mit Umstiegen in Helsinki und Stockholm.

Die Tage beim Finnischen Kirchenmusikfestival endeten am vergangenen Sonntag mit einem Abendmahlsgottesdienst. In einer Mehrzweckhalle (”McDonalds” hinterm Altar, grins) versammelten sich Tausende, fast alle in finnische Trachten gewandet. Live ins Radio übertragen, feierte man ausgesprochen gründlich – Finnen bevorzugen eindeutig Choräle mit sechs Strophen oder mehr. In der 90. Minute, das Radio schaltete sich gerade aus der Live-Übertragung, begann schließlich das Abendmahl. Die Nachfrage war enorm, Menschenschlangen wanden sich beeindruckend durch die Halle. 30 Minuten mochte Mancheiner auf sein Stück Christi Blut gewartet haben – wenn’s um den ersten Schluck Wein am Tag geht, sind die Finnen eisern!

Ein Klangbeispiel der wuchtigen Dom-Orgel versuche ich, dieser Tage online zu stellen. Leider gelang die Aufzeichnung nicht ganz fehlerfrei. Man wird sehen, was sich machen lässt…

Samstag, 10. Juni 2006

Sonnenaufgang um vier Uhr

Das Foto zeigt Kuopio, heute morgen gegen vier Uhr. Aber hierzulande ist ein Sonnenaufgang schon sehr besonders – weil es ja vorher gar nicht dunkel ist. Kupio um Mitternacht, um Eins oder um Zwei sieht kaum anders aus als Leipzig bei bedecktem Himmel am fruehen Abend. (In dieser Idylle ist sogar zu verschmerzen, dass keinen Finnen das deutsche 4:2 gegen Costa-Rica juckt.)
Das Konzert in der Domkirche ging prima ueber die Buehne (oder die Orgelempore, wie man will), ebenso wie der finnische Wodka im Anschluss ueber die geschundenen Stimmbänder. (Confiteor vobis fratres quia peccavi opere…)

Kammerchor Jubilate: Finlandia (Jean Sibelius)

O Heimat, sieh des Morgens helle Schwingen,
der siegreich Nacht und Trübsal überwand.
Die Lerche hör ich voller Jubel singen,
da Schmach und Kerkersnot endlich schwand.
Ein neuer Tag will neue Freiheit bringen
frei wirst du wieder, mein Vaterland!

Geliebte Heimat, deiner Freiheit Stunde,
dein Volk hat sie erkämpft mit starker Hand!
In alle Welt drang froh die stolze Kunde:
Frei ist nun Wald und See, frei dein Strand!
Der Zwingherr fiel, der einst dir schlug die Wunde,
In Freiheit lebe, mein Vaterland!

Freitag, 9. Juni 2006

Kuopiolainen

Yksi kahvi, kiitos – mein Finnisch wird immer besser! Ich kann auch schon deklinieren, beispielsweise “Durchfall”: yksi ripuli, kaksi ripulia. Mein kulturelles Fortkommen während dieses Aufenthalts ist also erstaunlich! Ein wichtiger Abend heute jedenfalls fuer alle: 19 Uhr (Zeitverschiebung!) Deutschland gegen Costa-Rica im “Ale Pubbi”, 22.30 Uhr Minna (sopraano) und Outi (urut) gegen mich in der Domkirche (tuomiokirkko). (Foto: ein Drittel der Stadtfläche besteht aus Wasser!!)